Jodmangel – warum du deinen Tagesbedarf nicht deckst!

Fische enthalten viel Jod

Bei dem Wort Jod denkt man automatisch an die Schilddrüse. Aber wusstest du, dass JEDE Zelle deines Körpers Jod benötigt? Und dass sich Jodmangel nicht automatisch als Schilddrüsenunterfunktion bemerkbar macht?

In diesem Artikel erfährst du, warum Zahnstein oder trockene Augen ein Zeichen für Jodmangel sein können und warum du mit Jodsalz allein deinen täglichen Bedarf nicht deckst.

5 beeindruckende Fakten über Jod:

  • Jod wirkt antiseptisch und tötet Viren, Pilze und Bakterien
  • Jod ist ein starkes Antioxidans und schützt vor freien Radikalen
  • Jod unterstützt die Tumorabwehr durch Einleitung des natürlichen Zelltods (Apoptose)
  • Jod hilft dem Körper bei der Entgiftung von Schwermetallen
  • Jod ist wichtig für die Entwicklung des Gehirns und Intelligenzquotientens

Jod – essenzielles Spurenelement

Jod ist in jeder einzelnen Zelle unseres Körpers vorhanden. Als essenzielles Spurenelement kann der Körper es nicht selbst bilden. Das heißt, wir müssen es uns von außen zuführen. Der Körper kann Jod über verschiedene Wege aufnehmen: über den Magen-Darm-Trakt, das Einatmen von Luft oder die Haut.

Die Empfehlung für den Tagesbedarf an Jod

200 Mikrogramm Jod täglich lautet die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für gesunde Erwachsene.

Um diese Empfehlung zu verstehen, müssen wir kurz in die Geschichte abtauchen. Früher gab es hierzulande große Probleme mit Kropfbildung und Kretinismus. Kropfbildung ist das sichtbare Zeichen einer Schilddrüsenvergrößerung infolge von Jodmangel. Kretinismus ist eine angeborene Entwicklungsstörung, die durch Jodmangel verursacht wird. Häufig geht sie mit Zwergwuchs und/oder geistiger Behinderung einher.

Nach der Entdeckung, dass Kröpfe durch die Gabe von Jod behandelt werden konnten, war die Schweiz 1922 das erste Land in Europa, das die Jodierung von Speisesalz einführte, um Kretinismus und Kropfbildung Einhalt zu gebieten. Andere Länder, auch Deutschland, folgten bald.

Jetzt wird es wichtig: Die aus der Geschichte heraus entstandene Empfehlung eines Tagesbedarfs von 200 Mikrogramm Jod wurde festgelegt zur Verhinderung von Schilddrüsenerkrankungen!

Es handelt sich nicht um eine Optimalmenge für den gesamten Körper. Vielmehr benötigst du 200 Mikrogramm Jod täglich, um alleine deine Schilddrüse mit Jod zu versorgen!

Welche Organe benötigen ebenfalls Jod?

Neben deiner Schilddrüse brauchen Jod auch deine Brustdrüsen, Nebennieren, Eierstöcke, Prostata, Gehirn, Magen-Darm-Trakt und Speicheldrüsen.

Beispielsweise können deine Speicheldrüsen ohne Jod den PH-Wert nicht richtig regulieren. Im Mund sollte dein PH-Wert neutral bis basisch sein. Ohne hinreichend Jod ist dein Speichel aber nicht regelmäßig alkalisch. Erhöhter Zahnstein kann deshalb ein Hinweis auf Jodmangel sein.

Deine Schweißdrüsen enthalten ebenfalls viel Jod. Jodmangel kann sich in einer verminderten Schweißabsonderung und trockener Haut ausdrücken. Hast du brennende oder trockene Augen? Dann fehlt dir vielleicht Jod. Denn die Drüsen, die dein Auge befeuchten, benötigen Jod um Tränenflüssigkeit zu bilden.

Wie viel Jod brauchst du?

Schwer zu sagen. Das ist ganz individuell! Zunächst hängt dies davon ab, wie viele Natrium-Jodid-Symporter du hast. Über diese wird Jod in deine Zellen transportiert.

Führst du deinem Körper über einen langen Zeitraum hinweg wenig Jod zu, verringert sich die Anzahl deiner Symporter. Erhöhst du die Zufuhr, bilden sich neue Symporter und deine Organe können wieder mehr Jod speichern.

Frauen haben generell einen höheren Jodbedarf als Männer. Denn auch die Brüste speichern Jod (ja – je größer deine Brüste, umso mehr Jod brauchst du). Raucher haben einen erhöhten Jodbedarf. Wenn du die Pille nimmst, hast du einen erhöhten Jodbedarf. Als Sportler hast du einen erhöhten Jodbedarf (viel Sport und auch Saunieren kann einen Einfluss auf deinen Jodhaushalt haben, weil Jod über die Haut ausgeschwitzt wird. Du verlierst ca. 10 Mikrogramm Jod pro Liter Schweiß.). Und und und…

Deine Schilddrüse benötigt etwa 50% der gesamten Jodzufuhr. Die übrigen 50% entfallen auf deine restlichen Organe. Um zumindest einen groben Anhaltspunkt zu haben, habe ich für mich persönlich (ohne Erkrankung, ohne Medikamente, mit gesunder Schilddrüse!) die einfache Rechnung aufgemacht:

200 Mikrogramm für die Schilddrüse plus 200 Mikrogramm für den restlichen Körper ergibt die absolute “Grundversorgung”. Aber noch keine Optimalversorgung. Also packe ich je nach Tagesform noch mal 100 – 300 Mikrogramm oben drauf. Mindestens also 500 Mikrogramm Jod pro Tag. Warum eine solche Faustformel wirklich nur ein grober Anhaltspunkt sein kann, liest du jetzt:

Voraussetzungen, damit Jod in den Zellen ankommt

Der Jodstoffwechsel ist ziemlich komplex. Leider genügt es nicht, sich einfach ausreichend Jod zuzuführen. Auch bei ausreichender Jodzufuhr kann Jodmangel entstehen!

Damit Jod in deinen Zellen ankommt, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein.

Erstens benötigt Jod eine Reihe anderer Stoffe, um seine Wirkung entfalten zu können. Zweitens gibt es diverse Faktoren, die die Jodaufnahme blockieren können.

Diese Stoffe sind u.a. wichtig, damit Jod in den Zellen ankommt (alles was jetzt folgt stellt keine vollständige Auflistung dar, denn der Jodstoffwechsel ist WIRKLICH komplex…):

Ohne die Jod Cofaktoren kann Jodmangel entstehen

Nimmst du genügend Selen über deine Nahrung auf? Ich jedenfalls war beim letzten Check unterversorgt.

Selbiges gilt auch für den Vitamin D Spiegel. Falls du deinen Wert nicht kennst, solltest du diesen untersuchen lassen. Gilt besonders für alle, die in geschlossenen Gebäuden arbeiten und sich viel drinnen aufhalten.

Und dies sind die gängigen Gegenspieler von Jod (ebenfalls keine vollständige Auflistung):

So ist Jodmangel vorprogrammiert. Diese Stoffe behindern die Aufnahme von Jod in die Zellen

Wer zum Teufel ist auf die Idee gekommen, jodiertes Speisesalz mit Fluorid zu versetzen??? Auch zur Zahnpflege bin ich auf Zahnpasta ohne Fluorid umgestiegen.

Keine Entwarnung für alle männlichen Leser: Auch ihr könnt eine Östrogendominanz haben. Z.B. bei erhöhtem Bauchfett oder stetiger Schwermetallbelastung.

Reicht Jodsalz aus, um den täglichen Bedarf zu decken?

Klar, hier ist jetzt die Frage, ob du ein Salzjunkie bist oder nicht 😉 Normalerweise geht man von einem Verbrauch von 5-6g Salz pro Tag aus.

Ein Blick auf die Nährwerttabelle besagt: In dem von mir gekauften Jodsalz sind 2.000 Mikrogramm Jod auf 100g Salz. Bei einem Verzehr von 6g Salz wären das 120 Mikrogramm Jod. Also noch nicht einmal hinreichend für den durchschnittlichen Bedarf der Schilddrüse.

Jodmangel trotz Jodsalz?

Auch Meersalz hilft deinem Jodhaushalt nicht. Denn Meersalz enthält durch den Verarbeitungsprozess kein Jod mehr (außer es wurde nachträglich jodiert).

Und bei jeglichem Auswärts- und Kantinenessen weißt du nicht, ob überhaupt jodiertes Speisesalz verwendet wurde.

Noch ein wichtiger Faktor:  Deine verschiedenen Organe benötigen verschiedene Formen an Jod. Jod kommt in verschiedenen Verbindungen vor, z.B. gebunden an Salze als Natriumjodid oder Kaliumjodid. Seltener auch als freies Element. Dann als elementares bzw. molekulares Jod.

Jodsalz wird Jodat zugesetzt und vom Körper in Jodid umgewandelt. Das ist die Form von Jod, die Schilddrüse, Haut und Gehirn bevorzugen. Brust, Eierstöcke, Prostata und Magen-Darm-Trakt bevorzugen hingegen elementares Jod.

Die gute Nachricht ist: Über natürliche Nahrungsmittel kannst du alle Formen von Jod abdecken.

In welchen Nahrungsmitteln ist Jod enthalten?

Hier kommen die jodreichsten Lebensmittel:

  1. Algen
  2. Meeresfrüchte
  3. Fische

Du bist kein Fan von Algen? Mir jedenfalls sind die zu glibberig. Algen gibt es jedoch auch getrocknet und zu Pulver vermahlen. Damit kannst du dir dein Jodsalz selbst mischen. Oder einfach eine Prise Algenpulver ins Salatdressing geben. Bei Interesse schau z.B. bei Algamar, hier kaufe ich gerne meine Algen ein.

Dir munden Algen? Dann kannst du dich auch an Queller versuchen. Ein sehr jodreiches heimisches Meeresgemüse aus der Nord- und Ostsee. Ein Plus von Algen, Fisch & Co.: Sie liefern die wichtigen Cofaktoren gleich mit!

Wie stets bei Naturprodukten: Je nach Sorte enthalten Algen, Fische & Co. mehr oder weniger Jod. Salzwasseralgen enthalten z.B. Jod und B-Vitamine, Süßwasseralgen hingegen zwar B-Vitamine jedoch fast kein Jod.

Die Nori-Alge, die meist für Sushi verwendet wird, hat ebenfalls recht wenig Jod. Und auch der hierzulande beliebte Lachs enthält im Vergleich zu anderen Fischsorten wie Scholle oder Wolfsbarsch eher wenig Jod.

Der Kauf von Fisch ist natürlich auch ein ethisches Thema. Eine gute Hilfe ist der Einkaufsratgeber vom WWF: https://fischratgeber.wwf.de

Ein Hinweis zu Jod in Milchprodukten: Sofern du Bio-Milchprodukte kaufst, enthalten diese wahrscheinlich kaum Jod. Tierfutter aus Biohaltung ist i.d.R. nicht mit Jod angereichert (anders als bei konventioneller Haltung).

Die schlechte Nachricht für alle, die Fische & Co. nicht mögen: über die normale Nahrung hast du ohne diese Lebensmittel kaum eine Chance ausreichend Jod aufzunehmen. Wer mag kann über eine Supplementierung mit Algenkapseln nachdenken.

Jod als Antioxidans

Dass Antioxidantien vor sogenannten „freien Radikalen“ schützen ist dir sicher bekannt. Bestimmt kennst du Vitamin C, Vitamin E oder Betha-Carotin als wichtige Antioxidantien. Aber wusstest du, dass auch Jod ist ein starker Radikalfänger ist? Jodmangel kann den Schutz vor freien Radikalen beeinträchtigen!

Frauen und Stillen/Schwangerschaft

Schon der Fötus im Mutterleib benötigt Jod von der Mutter. Denn ab der 12. Schwangerschaftswoche beginnt die Schilddrüse des Fötus mit der Hormonproduktion.

Jod spielt außerdem eine wichtige Rolle bei der Hirn- und Schilddrüsenentwicklung des Neugeborenen. Frauen geben deshalb beim Stillen ihre Jodreserven an das Kind weiter.

Jodmangel bei der Mutter kann zu einer starken IQ Minderung beim Kind führen!

 Jod und Brustkrebs

Jodmangel ist ein Risikofaktor für Brustkrebs. Denn auch die Brüste speichern Jod und benötigen dieses in Form von elementarem Jod.

Jod kann dem Körper bei der Tumorabwehr helfen durch Einleiten der Apoptose (natürlicher Zelltod).

Ein weiteres Symptom, welches bei Jodmangel auftreten kann, sind knotige Brüste.

Bist du von Brusterkrankungen betroffen, sind kleinere Mengen Jod eher der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein. Du kommst schnell in den Bereich der Hochjoddosistherapie. In diesem Falle am besten selbst tief in das Thema eintauchen und mit dem Arzt sprechen.

Woher weiß ich, ob ich Jodmangel habe?

Wurdest du von deinem Hausarzt schon mal auf Jod getestet? Eben! Selbst bei denjenigen, die eine Schilddrüsenunterfunktion haben, wird oftmals kein Jodtest gemacht.

Der Standardtest ist eine Messung des zweiten Morgenurins. Gemessen wird, wie viel Jod du über deinen Urin ausscheidest. Vorsicht bei der Beurteilung deiner Werte. Diese beziehen sich auf den  Referenzwert, der angibt ob deine Schilddrüse hinreichend mit Jod versorgt ist (nicht der komplette Körper).

Genauer ist ein Jodsättigungstest. Der erwachsene Körper hat ungefähr 50 Milligramm Jod gespeichert. Deshalb bekommst du bei diesem Test 50 Milligramm Jod verabreicht. Nach 24 Stunden wird gemessen, wie viel Jod dein Körper wieder ausgeschieden hat. Scheidest du 45 Milligramm aus, ist dein Körper mit Jod gesättigt (ca. 5mg gehen über den Darm verloren).

Da Jod auch über die Haut aufgenommen wird, gibt es noch einen sehr ungenauen „Test“ für zuhause. Du nimmst eine 2%ige Lugolsche Lösung und trägt diese auf deinen Unterarm auf. Die Zeit, die dein Körper benötigt, um das Jod aufzunehmen gibt einen Hinweis darauf, ob du Jodmangel hast. Ist der Fleck nach weniger als 12 Stunden verschwunden, ohne das Wasser darangekommen ist, kann Jodmangel vorliegen und ein richtiger Test beim Arzt lohnt sich. Hier gibt‘s ein Video zu diesem Test.

Wann sollte ich keine größeren Mengen Jod zu mir nehmen?

Wie immer muss jeder mit einer spezifischen Erkrankung aufpassen und mit seinem Arzt sprechen.

Wenn du also eine akute Schilddrüsenüberfunktion hast, solltest du die Schilddrüse nicht noch zusätzlich mit Jod stimulieren.

Auch Schwangere und Stillende müssen vorsichtig mit Jod sein, da Jod auch entgiftet und die Gifte natürlich nicht an das Kind weitergegeben werden sollen.

Patienten mit einer Niereninsuffizienz gehören auch in diese Kategorie, da deine Nieren auch die Aufgabe übernehmen, überschüssiges Jod wieder auszuscheiden.

Fazit:

Jod ist ein wichtiges Spurenelement für deinen gesamten Körper.

Über die vorherrschende Kost mit viel Getreide, Wurst, Käse, Obst und Gemüse kann der tägliche Bedarf an Jod kaum gedeckt werden. Auch jodiertes Speisesalz ist dafür nicht ausreichend. Integriere deshalb möglichst viel maritime Kost in deinen Speiseplan.

 Literatur:

In diesem Buch findest du noch deutlich mehr an Informationen und auch eine Auflistung, welche Nahrungsmittel wie viel Jod enthalten. So kannst du überschlagen, wie viel Jod du täglich mit der Nahrung zu dir nimmst:

Wer Anregungen für leckere Rezepte mit Jod benötigt kann hier schauen:

Interviews:

Facebook-Gruppe:

Ihre persönlichen Erfahrungen mit Brustkrebs führten Lynne Farrow zu dem Thema Jod. Ihr Buch ist interessant aber auch sehr amerikanisch mit vielen Betroffenenberichten:

DGE:

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